Ralph Rückert
Tierarzt und Blogger
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Das wird richtig teuer - was jetzt?

16.10.2013
Von Ralph Rückert, Tierarzt

Es passiert öfter als Sie vielleicht denken: Ein Unfall ist passiert oder eine schwere innere Erkrankung bedroht die Gesundheit Ihres Tieres. Nur entschlossenes Vorgehen verspricht Aussicht auf Erfolg, vielleicht ist gar die Hinzuziehung von Spezialisten nötig. Die von uns geschätzten Kosten aber treffen Sie wie ein Hammer. Ihr erster Gedanke ist: Das geht nicht, das kann ich nicht stemmen! Was jetzt?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, mit der Vorstellung einer solchen Situation umzugehen. Man kann sich natürlich einreden, dass schon nichts Schlimmes passieren wird. Und wenn doch, dass sich schon irgendeine Lösung finden wird. Mit etwas Glück kann das auch funktionieren. Versetzt man sich aber mal so richtig in diese hässliche Lage, dann wird klar, dass eine gewisse Vorsorge doch die bessere Lösung wäre. Wir haben da wirklich schon die schrecklichsten Szenen erlebt. Am schlimmsten sind schluchzende Kinder, denen verzweifelte Eltern irgendwie versuchen klar zu machen, dass sie nicht in der Lage sind, das gebrochene Bein von Mieze operieren zu lassen. Und auch an uns als Profis geht so etwas absolut nicht spurlos vorbei, es gehört vielmehr zu den schlimmsten Situationen, die unser Beruf zu bieten hat. Unsere Emotionen können je nach Lage das Falles das ganze Spektrum von purem Mitleid bis zu blanker Wut umfassen. Blanke Wut dann, wenn offensichtlich wird, dass der Tierbesitzer niemals auch nur einen Gedanken daran verschwendet hat, welche Verantwortung er mit der Anschaffung gegenüber dem Tier übernommen hat.

Übrigens: Das Einschläfern eines Tieres, das bei entsprechender Versorgung mit hoher Wahrscheinlichkeit gerettet werden kann, ist in dieser Situation rechtlich gesehen keine Option! Die Gründe dafür habe ich in der Artikelserie zur Euthanasie ausführlich erläutert.

Nun, wie können Sie für dieses Szenario vorsorgen? Reden wir zur besseren Einschätzung doch ruhig mal über Geld. Nach unserer Erfahrung wäre es sinnvoll, sich eine Größenordnung von 3000 Euro vorzustellen, und zwar sowohl für einen Hund als auch für eine Katze. Wenn Sie genug Einkommen haben, um so eine Summe jederzeit problemlos aufbringen zu können, brauchen Sie eigentlich nicht weiter zu lesen. Alle anderen müssen sich entscheiden zwischen dem Anlegen einer eisernen Notfallreserve und dem Abschluss einer Tierkrankenversicherung.

Tierkrankenversicherungen bieten Schutz vor den finanziellen Risiken einer Erkrankung oder eines Unfalls zu überschaubaren monatlichen Beträgen, haben aber auch beträchtliche Nachteile. Die gezahlten Prämien sind natürlich auf Nimmerwiedersehen weg, häufig werden keineswegs alle aus einem Notfall entstehenden Kosten übernommen und bei nach Ansicht der Versicherung zu häufiger Inanspruchnahme kann der Vertrag einseitig gekündigt werden. Eine eiserne Reserve dagegen bleibt bis zum Eintritt eines teuren Notfalles in Ihrem Besitz und kann bei entsprechender Anlage sogar (im Moment leider lächerlich niedrige) Zinsen bringen. Nach unserer Meinung macht eine Lösung sehr viel Sinn, durchaus auch für sogenannte Besserverdiener, und zwar die Kombination einer beiseite gelegten Reserve mit dem Abschluss einer Unfall- und OP-Kosten-Versicherung. Diese Versicherung deckt die schlimmsten Belastungen durch Unfallfolgen und Operationen ab, während die Geldreserve für internistische Erkrankungen und allfällige Vorsorgemaßnahmen herangezogen werden kann. Damit ist das vierbeinige Familienmitglied sehr ordentlich abgesichert.

Bitte denken Sie über diese Gesichtspunkte nach! Es könnte verhindern, dass Sie, Ihre Familie, Ihr Tier und auch wir uns eines Tages in einer schrecklichen Situation wiederfinden. Wir können zwar in Form von Ratenzahlungsvereinbarungen ebenfalls einiges tun, um in finanziellen Notlagen zu helfen, aber das beschränkt sich auf uns wohlbekannte und langjährige Kunden und natürlich auf Maßnahmen, die von uns selbst durchgeführt werden. Auf Spezialisten, an die wir überweisen, haben wir in dieser Hinsicht keinen Einfluss.

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert


(c) Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen