Ralph Rückert
Tierarzt und Blogger
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Kackerl-Sackerl - Ich kapier's nicht!

30.05.2015
Von Ralph Rückert, Tierarzt

Mit den Jahren wird man ja idealerweise zunehmend altersmilde und regt sich nicht mehr so leicht über jede Kleinigkeit auf. Ich kann für mich selbst feststellen, dass das in vielen Bereichen tatsächlich zutrifft, aber eine Sache macht mich nach wie vor nicht nur stinksauer, sondern auch ganz wirr, einfach weil ich es nicht verstehe: Warum in aller Welt tütet man die Hinterlassenschaften seines Hundes fein säuberlich ein und pfeffert dann das gefüllte Kackerl-Sackerl (so wird das in Wien genannt) einfach in die Landschaft?
Bild zur Neuigkeit
Es kommt mir fast so vor, als wäre das ein mehr oder weniger neues Problem. Auf jeden Fall ist es mir früher nie so aufgefallen. Inzwischen kann es passieren, dass ich beim Mittagsspaziergang mit Nogger im Wiblinger Wald auf einer Strecke von gerade mal 1,5 Kilometern mehr als ein halbes Dutzend gefüllter und dann liegengelassener oder in die Gegend geworfener Kotsäckchen sehe, manchmal in unmittelbarer Nähe von Abfalleimern. Wie in der Überschrift schon angedeutet: Ich kapier das einfach nicht! Vielleicht erfahre ich ja durch irgendeinen Kommentar auf diesen Blog-Eintrag, was für ein - für mich bis jetzt unergründlicher - Gedankengang hinter so einer Vorgehensweise steckt, aber ich habe so meine Zweifel.

Für diejenigen meiner Leser(innen), die das so handhaben: Ist Ihnen eigentlich klar, wie geradezu himmelschreiend idiotisch das ist? Die allermeisten Kotbeutel sind aus Polyethylen hergestellt. Dieses Material verrottet so gut wie gar nicht. Irgendwann - nach ewigen Zeiten - fällt es zwar irgendwie auseinander, aber die dabei entstehenden Plastik-Kleinteilchen bleiben erhalten und geraten in den Erdboden und im weiteren Verlauf sogar in die Nahrungskette. Sicher, die Hundekotbeutel machen nur einen sehr kleinen Anteil aller hergestellten Plastiktüten aus, sie landen aber nach meinem Dafürhalten zu einem sehr hohen Prozentsatz irgendwo in der Natur.

Ich habe neulich gelesen, dass Städte und Gemeinden etwa 200 Millionen Kotbeutel pro Jahr ausgeben. Das ist dann schon eine ordentliche Hausnummer! In dem gleichen Artikel in der Zeitschrift "Dogs" wurde auch erwähnt, dass ein Hamburger Student auf seiner Laufrunde an der Alster mal nachgezählt hat und innerhalb einer Stunde auf 97 in der Landschaft oder im Wasser "entsorgte" Kotbeutel kam. Das gibt’s doch nicht! Dann ist es ja immer noch besser, wenn man den Hundekot gleich liegen lässt.

Das soll jetzt keine Aufforderung in diese Richtung sein. Es ist aus vielerlei Gründen wichtig und richtig, Hundekot zu beseitigen. Aber doch nicht so! Das gefüllte Sackerl gehört einfach in den Restmüll bzw. den Mülleimer. Alles andere ist schlicht blödsinnig, und zwar auch dann, wenn man irgendwelche "biologisch abbaubaren" Tütchen verwendet. Die sind nämlich auch nicht so toll, wie sie beworben werden. Erstens bestehen diese Produkte meist immer noch zu einem hohen Prozentsatz aus Plastik, zweitens sind sie in der Herstellung mit höheren Umweltbelastungen verbunden als herkömmliches Polyethylen. "Bio-Tütchen" sind also auch kein Freifahrtschein für diese unsägliche Schweinerei, vom optischen Eindruck ganz zu schweigen.

Ich mag mir gar nicht vorstellen, was Nicht-Hundebesitzer beim absurden Anblick dieser in der Gegend rumliegenden Kotpäckchen von uns Hundehaltern denken mögen. Ich neige sonst nicht leicht zum Fremdschämen, aber in diesem Zusammenhang komme ich echt nicht dran vorbei. Deshalb meine dringende Aufforderung an diejenigen unter uns, die sich das so angewöhnt haben: Bitte, bitte, hört ganz schnell auf mit dem Scheiß!!!

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert


© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

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