Ralph Rückert
Tierarzt
Bei den Quellen 16
89077 Ulm / Söflingen
Telefon: 0731/382766
Notrufnummer:

0171/744 92 46

Das stille Leiden der Meerschweinchen: Blasensteine

29.08.2015
Von Ralph Rückert, Tierarzt

Um mal das Offensichtliche zu konstatieren: Unsere Haustiere können leider nicht mit uns reden. Deshalb braucht es oft aufmerksamste Beobachtung durch den Tierhalter und detektivisches Gespür des Tierarztes, um bestimmte Erkrankungen erkennen zu können. Dazu kommt, dass manche Tierarten leider Meister der stillen Duldung sind. Speziell Meerschweinchen und Kaninchen ertragen oft extrem schmerzhafte Zustände ohne einfach zu erkennende äußere Anzeichen. Zu diesen häufig mit großen Schmerzen verbundenen Krankheiten gehören die Steinleiden der Harnwege, also Nieren-, Harnleiter-, Blasen- und Harnröhrensteine.
Bild zur NeuigkeitBild zur NeuigkeitBild zur NeuigkeitBild zur Neuigkeit
Das in den Fotos dargestellte Meerschweinchen wurde zu mir gebracht, weil die Besitzer bemerkt hatten, dass sein Bauch kahl geworden war. Bei näherer Begutachtung zeigte sich, dass die Haare am Bauch wie abgescheuert wirkten. In einem Nebensatz erwähnten die Besitzer, dass das Tier häufig Bauch und Genitalien über den Boden schubberte, auch und gerade beim Harnabsatz. Diese Bemerkung brachte mich dazu, Röntgenbilder anzufertigen, die meinen Verdacht auf ein Steinleiden bestätigten. Der größere Stein befand sich in der Blase, der kleinere saß nahe des Harnröhrenausgangs fest.

Wir konnten beide Steine erfolgreich entfernen, den aus der Harnröhre unblutig, den in der Blase operativ. Darum geht es mir aber in diesem Beitrag gar nicht. Steine dieser Größenordnung entstehen keineswegs über Nacht. Der Harnröhrenstein saß an dieser Stelle schon so lange fest, dass er seine Form entsprechend angepasst hatte. Aus der Humanmedizin wissen wir, wie schmerzhaft ein in der Harnröhre festgekeilter Stein ist. Trotzdem wurde dieser Zustand von dem Tier klaglos, also ohne Schmerzlaute ertragen. Nur das verzweifelte Reiben des Bauches über den Untergrund und der - für den sehr erfahrenen Beobachter - müde und resignierte Augenausdruck des Schweinchens konnten als diskrete Hinweise gewertet werden.

Steinleiden kommen bei vielen Tierarten vor, bei Meerschweinchen aber sind sie so häufig und so symptomlos (zumindest von außen gesehen!), dass ich den Besitzern zu etwas raten möchte, was in dieser Form in keinem Lehrbuch stehen dürfte: Lassen Sie Ihre Schweinchen ab dem Alter von fünf Jahren wenigstens einmal jährlich, besser alle 6 Monate, röntgen oder ersatzweise sonographieren. Beide Verfahren sind am nicht betäubten Tier schnell und einfach durchzuführen und können einem die Sicherheit geben, einen ausgesprochen quälenden Zustand nicht für Monate zu übersehen.

Der Vollständigkeit halber: Im Gegensatz zum Meerschweinchen verraten sich Steine in den Harnwegen von anderen Tierarten wie dem Kaninchen, der Katze und dem Hund oft durch deutlich blutigen Harn, durch offensichtliche Probleme beim Harnabsatz, durch Belecken des Unterbauchs und der Genitalien oder auch durch Bewegungsstörungen. Bei älteren Hunden, die plötzlich nicht mehr aufs Sofa oder ins Auto springen wollen, sollte immer auch an große Blasensteine als Ursache gedacht werden.

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert


© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Bei den Quellen 16, 89077 Ulm / Söflingen

Sie können jederzeit und ohne meine Erlaubnis auf diesen Artikel verlinken oder ihn auf Facebook bzw. GooglePlus teilen. Jegliche Vervielfältigung oder Nachveröffentlichung, ob in elektronischer Form oder im Druck, kann nur mit meinem schriftlich eingeholten und erteilten Einverständnis erfolgen. Von mir genehmigte Nachveröffentlichungen müssen den jeweiligen Artikel völlig unverändert lassen, also ohne Weglassungen, Hinzufügungen oder Hervorhebungen. Eine Umwandlung in andere Dateiformate wie PDF ist nicht gestattet. In Printmedien sind dem Artikel die vollständigen Quellenangaben inkl. meiner Praxis-Homepage beizufügen, bei Online-Nachveröffentlichung ist zusätzlich ein anklickbarer Link auf meine Praxis-Homepage oder den Original-Artikel im Blog nötig.