Ralph Rückert
Tierarzt und Blogger
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Infektionsschutz in unserer Praxis: Mein herzlicher Dank an unsere Kunden!

15.04.2020

Von Ralph Rückert, Tierarzt


Am 29. Februar, mit 66 gemeldeten Infektionen bundesweit, hatte ich geschrieben, dass SARS-CoV-2 gekommen wäre, um zu bleiben, und wir alle dieses Virus für eine gewisse Zeit als Fact of Life akzeptieren müssten. Heute, mit ca. 133000 gemeldeten Infektions- und annähernd 3600 Todesfällen, mit einem Stillstand des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft, hat sich das leider als traurige Wahrheit herausgestellt.


Wir befinden uns nun mitten in einem Lernprozess. Wir müssen lernen, mit der Pandemie und ihren Folgen irgendwie zu leben. Eines ist dabei ganz sicher: Infektionsschutz, also das ständige Bemühen, nicht angesteckt zu werden bzw. niemand anderen anzustecken, wird für viele Monate ein ganz wichtiges Thema bleiben, zumindest für die, die noch nicht infiziert worden sind und dadurch (hoffentlich!) schützende Antikörper gebildet haben. Die für unsere Praxis eingeführten Schutzmaßnahmen habe ich ja an anderer Stelle schon ausführlich dargestellt.

Der für Sie als Tierbesitzer und Kunden krasseste und wahrscheinlich am schwersten erträgliche Punkt dieser Maßnahmen ist sicher, dass Sie (von begründeten Einzelfällen abgesehen) Ihr Tier nicht mehr in die Behandlungszimmer begleiten dürfen. Ich verstehe - nicht zuletzt aus eigener Erfahrung - durchaus, welches Maß an Vertrauen Ihnen das abverlangt. Wenn ich auch in anderen Artikeln dieses Vertrauen mehr oder weniger eingefordert habe, weil es im Moment halt einfach nicht anders geht, so möchte ich Ihnen an dieser Stelle doch auch mal meinen aufrichtigen Dank aussprechen!


Annähernd ausnahmslos treffen wir bezüglich der von uns getroffenen Maßnahmen auf vollstes Verständnis und geradezu vorbildliche Kooperation! Nochmals: Vielen Dank! Ich hatte es mir anfänglich wirklich viel problematischer vorgestellt.


Ich darf Ihnen aber im Gegenzug und als Beruhigung versichern, dass die absolute Mehrheit Ihrer von Ihnen getrennten Vierbeiner in den Behandlungszimmern eine viel bessere Figur macht, als man im ersten Moment denken würde. Selbst Hunde, die gemeinhin gern als Angsthunde bezeichnet werden, überraschen uns oft dadurch, dass die Untersuchung und Behandlung durch uns viel problemloser verläuft als erwartet. Es gibt sogar Fälle, in denen sich zeigt, dass der betreffende Hund tatsächlich sogar ruhiger ist, wenn er die (natürlich nachvollziehbare) Nervosität seiner Besitzer nicht direkt vor Augen und Nase hat.


Ich will Ihnen damit kein X für ein U vormachen. Natürlich gucken so einige Hunde da drin in der Behandlung ungefähr so glücklich aus der Wäsche wie ich im Wartezimmer vom Zahnarzt. Aber, wie ich beim Zahnarzt auch: Die allermeisten haben das echt toll im Griff! Und die, die sich schon immer ein Loch in den Bauch gefreut haben, wenn sie uns sehen, tun das natürlich weiterhin.


Ebenfalls ein positiver Effekt ist das klar gesteigerte Tempo bei Untersuchung und Behandlung Ihrer Tiere. Klar, es geht natürlich ziemlich fix, wenn wir uns nur untereinander und ohne die sonst notwendigen Erklärungen für die Besitzer auf Fachchinesisch unsere Befunde und Anweisungen zuwerfen können.


Aber genau das bringt mich zu dem Punkt, der mir persönlich die meisten Probleme bereitet: Ich vermisse die Interaktion, das Gespräch mit Ihnen doch sehr, viel mehr als erwartet. Es schmerzt mich wirklich, wenn ich alten und neuen Kunden allenfalls auf Entfernung mal kurz mein Gesicht und ein Lächeln zeigen kann, bevor ich wieder hinter meiner Maske verschwinde. Das wird in nächster Zeit sogar noch schlimmer werden. Bisher tragen viele von Ihnen noch keinen Mund-Nasen-Schutz, was sich nach meiner Einschätzung aber bald ändern wird. Bei den notwendigerweise knapp gehaltenen Gesprächen mit Kunden stelle ich bestürzt fest, wie sehr die Masken eine normale Kommunikation behindern. Das soll keinesfalls heißen, dass sie in unserer Praxis keinen Mund-Nasen-Schutz tragen sollen. Nein, machen Sie das bitte! Ich halte das schon immer für sinnvoll, vor allem zum Schutz des Gegenübers, also von uns, was wir durchaus zu schätzen wissen!


Wir werden es alle nehmen müssen, wie es ist, und zwar - wie schon angesprochen - sicher noch für einige Monate. Auch wenn die aktuellen Maßnahmen in den nächsten Wochen gelockert werden sollten, sind Umsicht, Abstand und Kontaktminimierung weiterhin und vielleicht sogar dringender gefordert als zuvor, wenn wir nicht ganz schnell unter einer zweiten Infektionswelle begraben werden wollen.


Die eingehenden Gespräche, die ausführlichen Erklärungen, das gemeinsame Ansehen von Röntgenbildern oder anderen Befunden oder gar den Handschlag zur Begrüßung und Verabschiedung, das alles, was Sie von uns gewöhnt sind, werden wir für dieses und wohl auch für einen Teil des nächsten Jahres leider vergessen müssen. Ich denke, wir sind uns da einig: 2020 ist und wird nicht unser aller Jahr!


Muss man aber eine beschissene Zeit überstehen, ob man nun will oder nicht, hat man nur noch die Wahl, ständig darüber zu jammern oder einfach tapfer zu lächeln und auch daraus das Beste zu machen! Wir werden uns um letzteres bemühen und hoffen dabei ganz fest auf Ihre fortgesetzte Unterstützung! Ohren anlegen und durch! Nochmals vielen Dank!


Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr


Ralph Rückert


 


© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Römerstraße 71, 89077 Ulm


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