Zähne Tiere / Kleintiere - Ulm / Neu-Ulm
Ralph Rückert
Tierarzt und Blogger
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Zähne

Kleine Heimtiere

Kaninchen, Meerschweinchen und Co. dürfen nicht aufgrund ihres geringen Anschaffungspreises als Patienten zweiter Klasse oder gar als "Wegwerfartikel" gesehen werden. Ganz im Gegenteil benötigen diese Tiere wegen ihrer Fähigkeit zu stillem Leiden unsere ganze Aufmerksamkeit und vollen therapeutischen Einsatz, da Erkrankungen von außen oft erst sehr spät erkennbar werden.

Es ist uns ein Anliegen, bezüglich des noch ungenügenden, aber sprunghaft anwachsenden Wissens um die Krankheiten der Heimtiere konsequent am Ball zu bleiben, um jederzeit eine adäquate Behandlung anbieten zu können. Wichtig dabei ist allerdings auch, dass Sie als Halter speziell dieser Tiere beim geringsten Anzeichen einer Erkrankung (wichtigster Indikator: Gewichtsverlust!) sofort tierärztlichen Rat suchen.

Stichwort "Zähne":

In den letzten zwanzig Jahren haben bei Kaninchen und Meerschweinchen genetisch bedingte und/oder durch Ernährungsfehler verursachte Zahnfehlstellungen enorm zugenommen. Die betroffenen Tiere können nur durch in regelmäßigen Abständen durchgeführte Zahnkorrekturen schmerzfrei weiter leben. Dabei werden (meist in Narkose) die Zähne so beschliffen, dass sich wieder ein korrekter Zahnschluss (Okklusion) ergibt. Da die Zähne der Hasenartigen und der Nager ständig nachwachsen, sind diese Maßnahmen leider nur für einen begrenzten Zeitraum wirksam und müssen dann wiederholt werden. Vor der ersten Korrektur ist zur genauen Diagnose der Fehlstellungen meist das Anfertigen von Gebiss-Röntgenbildern nötig.

Viele dieser Patienten bekommen wir erst in einem weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium und mit schon sehr schlechtem Allgemeinbefinden vorgestellt. Deshalb auch an dieser Stelle der Hinweis: Wiegen Sie bitte Ihr Kaninchen oder Meerschweinchen wöchentlich und notieren Sie das Ergebnis. Bei einem Gewichtsverlust von über fünf Prozent sollte sofort der Tierarzt aufgesucht werden.

Fleischfresser

In den letzten Jahren erschienene Untersuchungen zeigen deutlich, welch großen Einfluss die Gesundheit von Zähnen und Zahnfleisch auf den gesamten Organismus hat. Chronische Zahnfleischentzündungen, die schon durch geringen Zahnsteinansatz entstehen können, führen in vielen Fällen zu schleichenden und unheilbaren Erkrankungen der Nieren und des Herzens, die die Lebenszeit von Hund, Katze und Frettchen (aber auch des Menschen!) drastisch verkürzen.

Andauernde Zahnschmerzen, die das Fressverhalten keineswegs immer beeinträchtigen, führen speziell bei Katzen oft zu stressbedingten Magenschleimhautentzündungen mit häufigem Erbrechen. Rechtzeitige und regelmäßige prophylaktische Zahnreinigungen beugen diesen Problemen effektiv vor und verbessern das Wohlbefinden des Tieres spürbar.

Die durch Zahnsteinansatz entstehenden Schäden am Zahnhalteapparat sind nur durch frühzeitiges und regelmäßiges Eingreifen rückgängig zu machen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass starker Maulgeruch bei Fleischfressern normal wäre; vielmehr ist er ein deutliches Anzeichen für Erkrankungen der Maulhöhle. Zögern Sie in solchen Fälle nicht, auch außerhalb der jährlichen Vorsorgeuntersuchungen den Zustand der Zähne Ihres Tieres überprüfen zu lassen.

Neben der Entzündung des Zahnhalteapparats, der Parodontitis (im übrigen die häufigste Erkrankung der Welt) spielen bei Katzen die sogenannten Felinen Odontoklastischen Resorptivläsionen (FORL) eine immense Rolle. Bei dieser ausgesprochen schmerzhaften Erkrankung werden die Zähne durch körpereigene Zellen zerstört, und zwar häufig mehr oder weniger unsichtbar unterhalb des Zahnfleischsaumes. Die befallenen Zähne können oft nur durch Röntgenaufnahmen identifiziert werden. Katzen leiden sehr still. Vermeintlich ungestörte Futteraufnahme ist leider kein Beweis für eine gesunde Maulhöhle. Von FORL befallene Katzen (mehr als 50 Prozent der über Fünfjährigen!) müssen sehr engmaschig kontrolliert werden, um inakzeptable Schmerzzustände zu vermeiden.